Einen neuen Ara zu zähmen und ihn behutsam an die Hand zu gewöhnen, braucht Zeit, Ruhe und ein gutes Gespür für seine Körpersprache. Besonders in den ersten Tagen entscheidet sich, ob der Vogel seine neue Umgebung als sicher erlebt. Mit festen Abläufen, kleinen Trainingsschritten und positiver Bestärkung kann sich eine vertrauensvolle Beziehung entwickeln. Diese Anleitung hilft Halterinnen und Haltern dabei, ihren Ara stressarm einzugewöhnen und die Handgewöhnung sicher aufzubauen.
Vertrauen aufbauen: Die ersten Tage mit dem Ara
In den ersten Tagen sollte der Ara vor allem ankommen dürfen. Bereiten Sie vor seinem Einzug einen geräumigen, sicheren Käfig oder eine geeignete Voliere vor. Wählen Sie einen hellen Standort ohne Zugluft, dauerhaften Lärm oder hektischen Publikumsverkehr. Gerade in gastronomischen Betrieben ist ein ruhiger Rückzugsbereich wichtig, der für Gäste nicht frei zugänglich ist. Der Ara braucht täglich ungestörte Ruhephasen und darf nicht als Attraktion behandelt werden.
Halten Sie die ersten Kontakte bewusst kurz und ruhig. Sprechen Sie mit leiser, freundlicher Stimme mit dem Ara, wenn Sie Futter und Wasser reichen oder den Raum betreten. Vermeiden Sie direkte Bewegungen auf den Vogel zu, langes Anstarren und schnelle Handbewegungen. Setzen Sie sich stattdessen mit etwas Abstand in seine Nähe und beschäftigen Sie sich ruhig. So lernt der Ara, dass Ihre Anwesenheit keine Gefahr bedeutet.
Beobachten Sie die Körpersprache genau. Ein entspannter Ara sitzt locker auf der Stange, putzt sein Gefieder oder nimmt Futter auf. Weicht er zurück, spreizt die Flügel, stellt das Gefieder auf, schreit auffällig oder öffnet den Schnabel drohend, braucht er mehr Abstand. Respektieren Sie diese Signale immer. Vertrauen entsteht nicht durch Festhalten oder Zwang, sondern durch viele positive Erfahrungen, die der Ara selbst kontrollieren kann.
Handgewöhnung üben: Ruhig, sicher und geduldig
Beginnen Sie die Handgewöhnung erst, wenn der Ara in Ihrer Gegenwart ruhig frisst und nicht mehr bei jeder Bewegung ausweicht. Reichen Sie zunächst ein besonders begehrtes Futterstück durch das Gitter oder an der geöffneten Käfigtür. Geeignet sind je nach Futterplan kleine Stücke von Obst, Gemüse oder eine einzelne Nuss als seltene Belohnung. Halten Sie die Hand ruhig und warten Sie geduldig. Zieht sich der Ara zurück, nehmen Sie die Hand langsam weg und versuchen es später erneut.
Nimmt der Ara das Futter zuverlässig aus der Hand, können Sie das Aufsteigen auf eine Sitzstange üben. Halten Sie eine stabile Naturholzstange vor seine Füße und geben Sie dabei stets dasselbe kurze Signal, etwa „Komm“. Steigt er auf, belohnen Sie ihn sofort ruhig mit einem Leckerbissen und freundlicher Stimme. Dieses Training ist oft leichter als der direkte Schritt auf die Hand, weil der Ara zunächst mehr Abstand zu Ihnen behalten kann.
Erst wenn das Aufsteigen auf die Stange sicher klappt, ersetzen Sie diese schrittweise durch Ihren Unterarm oder Ihre Hand. Halten Sie den Unterarm stabil und waagerecht vor die Füße des Aras. Drücken Sie niemals gegen seinen Bauch und greifen Sie nicht von oben nach ihm. Bleibt er ruhig auf Ihrer Hand sitzen, belohnen Sie ihn direkt und setzen ihn nach wenigen Sekunden wieder auf einen sicheren Platz. Mehrere kurze Übungseinheiten pro Tag sind wirkungsvoller als eine lange, anstrengende Einheit.
Geduld ist beim Zähmen eines Aras der wichtigste Erfolgsfaktor. Geben Sie dem Vogel die Möglichkeit, jeden Schritt freiwillig zu gehen, und achten Sie konsequent auf seine Signale. Mit einer sicheren Umgebung, festen Abläufen und ruhigem täglichem Training wird aus anfänglicher Vorsicht nach und nach Vertrauen. Bei anhaltender Angst, starkem Beißen oder auffälligem Verhalten sollte eine vogelkundige Tierarztpraxis oder fachkundige Verhaltensberatung einbezogen werden.
